Grund-Idee

Foto: Zooey Braun / ah-aktivhaus

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Die Initiative grund-genug ist eine Plattform für gemeinschaftliche Wohnprojekte….

…und die Grund-Idee ist simpel

 
Zwischennutzung als Schlüssel zur Erschließung brachliegender Bauflächen
 
Baugrund ist in Vorarlberg nicht leicht zu bekommen. Wenn überhaupt verfügbar, sind Bauflächen enorm teuer, vor allem in zentraleren Lagen. Gleichzeitig gibt es selbst in dicht besiedelten Wohngebieten und Ballungszentren immer noch viele ungenutzte Bauflächen. Sie stehen aber nicht zum Verkauf. Aus Eigentümersicht ist das durchaus verständlich: sie sind seit langem in Familienbesitz, eine wertvolle Geldanlage oder werden vielleicht später von Kindern und Enkelkindern gebraucht. 
Unsere Erfahrung zeigt aber, dass viele Grundbesitzer Zwischennutzungskonzepten offen gegenüber stehen. Wenn für die nächsten Jahre keine Eigennutzung absehbar ist, warum das Grundstück nicht zur für eine innovative Form der Zwischennutzung freigeben? Eine Möglichkeit ist die zeitlich begrenzte Verpachtung. Für den Eigentümer heisst das: Pachtzins einnehmen statt einfach nur Grundsteuer zahlen. Am Ende der Pachtdauer kann das Grundstück wieder im Urzustand übernommen werden (siehe dazu auch die Seite für Grundstückseigentümer: Verpachten).
Für uns heisst das: mit Zwischennutzungskonzepten können wir attraktive Grundstücke erschließen, die sonst nicht verfügbar wären. Und das zu vergleichbar guten Konditionen. Aktuell haben wir allein im unteren Rheintal über 60 Grundstücke die uns potenziell zur Verfügung stehen.
 
Pachten statt Kaufen
 
Vor dem Hintergrund: mein Boden, mein Boden eine ungewöhnliche Idee. Aber ein Wohnprojekt muss nicht für die Ewigkeit ausgelegt sein. Wenn wir in Lebensabschnitten denken, etwa bis die Kinder aus dem Haus sind, dann haben wir einen Planungshorizont von zwanzig oder dreißig Jahren. Deshalb suchen wir nach Grundstücken, die wir im Baurecht langfristig pachten können, ohne sie besitzen zu müssen. Die Pacht sollte mindestens zehn im Idealfall aber 20 oder mehr Jahre gesichert sein. Im Vergleich zum Kauf kann das auch finanziell attraktiv sein. Nicht nur, da die Pacht auf eine Baugruppe umgelegt wird und das Grundstück so optimal ausgenutzt werden kann. Neben einer Pacht sind natürlich auch andere Formen der Überlassung denkbar, es muss sich ja nicht immer nur ums Geld drehen. Damit können wir Grundeigentümer ansprechen, die ihr Grundstück vorübergehend zur Verfügung stellen, aber nicht verkaufen wollen. 
 
Natürlich ist das Ende der Pachtdauer nicht das Ende der Welt. Zum einen sind die individuellen Wohneinheiten mobil und können mitgenommen werden. Wenn die Gemeinschaft weiterhin zusammenleben will, warum nicht gemeinsam ein neues Grundstück suchen? Vielleicht einen anderen Platz oder eine neue Wohnkonstellation, die dem nächsten Lebensabschnitt noch besser entspricht. Oder es ist immer noch keine Eigennutzung durch den Eigentümer in Sicht und der Pachtvertrag kann einfach verlängert werden.
 
Aus der zeitlichen Begrenzung ergeben sich natürlich Besonderheiten für die Wohnobjekte. Die zentralen Stichworte sind: mobil, modular, naturnah und einfach.
 
Mobil, modular und naturnah – flexibles Wohnen zum Mitnehmen
 
Die Wohnprojekte basieren auf mobilen Einheiten. Diese können individuell gestaltet und modular kombiniert werden. Daraus entstehen flexible Wohnlösungen die ohne Flächenversiegelung auf einem Grundstück für eine begrenzte Zeit realisiert werden. 
In Frage kommen hier etwa Modulhäuser in Holzbauweise wie sie bspw. als Su-Si von der Zimmerei Kaufmann (www.kaufmannzimmerei.at) oder von McCube (www.mc-cube.at) in qualitativ hochwertiger und ökologischer Ausführung angeboten werden (es gibt mittlerweile eine große Auswahl und verschiedene etablierte Anbieter im Bereich Modulbau). Ergänzend dazu können auch andere Alternativen (bspw. Jurten) eingesetzt werden. Natürlich kann auch ein mehr oder weniger großer Teil Eigenleistung erbracht werden (etwa der Innenausbau der Wohneinheiten, oder Gemeinschaftsobjekte mit Stroh-, Holz- oder Lehmbau) – das hängt ganz von den Wünschen und Kapazität der Baugruppe ab. Die Möglichkeit wird in der Planung jedenfalls berücksichtigt
Allen Gebäuden gemeinsam ist, dass sie keinen Keller haben und auf Punktfundamenten stehen. Nach nach Ablauf des Pachtvertrages können sie leicht wieder entfernt werden. Damit wird kein Boden versiegelt. Das ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Bewahrung der wichtigen Umweltressource Boden, sondern auch eine Voraussetzung um das Grundstück wieder im Urzustand zurück zu geben. Aus dem selben Grund wird die Erschließung des Grundstücks minimal gehalten und möglichst viel Natur erhalten. Dafür spricht nicht nur ein einfacher Rückbau, sondern eine bewusste Entscheidung naturnah leben zu wollen.
 
Gemeinschaftliches Wohnen: verdichtete Bauweise und geteilte Ressourcen
 
Herkömmliche Einfamilienhäuser in Vorarlberg benötigen eine Grundgröße von durchschnittlich 700m2. In dem wir in unseren gemeinschaftlichen Bauprojekt auf keine Abstandsflächen Rücksicht nehmen müssen, kommen wir mit deutlich weniger Platz pro Wohneinheit aus. Als Baugemeinschaft können wir durch eine verdichtete Wohnform die knappe Ressource Grund und Boden optimal nutzen.
Um weiter Platz zu sparen, wollen wir Allgemeinflächen (Garten, Grünanlagen) sowie Aufenthalts- und Gemeinschaftseinrichtungen, Lagerräume, Waschräume, Spieleinrichtungen, Abstellräume oder Werkstätten gemeinsam nutzen. Dazu gibt es ein zentrales Gemeinschaftshaus, das Platz und Infrastruktur für die Gemeinschaft bereit hält. Auch Werkzeuge und andere Ressourcen können gemeinsam genutzt werden. Vieles kann geteilt werden, vom Rasenmäher bis zum Auto. Das ist sowohl ökologisch wichtig, als auch ökonomisch sinnvoll. 
 

Leben in lebendiger Nachbarschaft

 
Leben in Gemeinschaft kann viel mehr sein, als die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur oder Werkzeugen. Gemeinschaft bedeutet auch die Chance Teile des Alltags zu teilen, etwa das Kochen, das Essen oder die Kinderbetreuung gemeinsam zu gestalten. Gemeinschaft heisst auch, Fragen die alle betreffen gemeinsam und im Sinne aller zu bewegen und zusammen als Gruppe Entscheidungen zu treffen.
Für eine gelingende Gemeinschaft sind die sozialen und zwischenmenschlichen Prozesse wichtig. Zentrale Elemente sind ein gutes Miteinander, ein offener, vertrauensvoller Umgang und authentische und gewaltfreie Kommunikation. Eine gemeinsame Vision die von allen getragen wird, stellt dafür eine wichtige Basis dar. Gleichzeitig muss es genügend Möglichkeiten für das Private geben, Rückzugsräume und eigene Bereiche. Die Projekte sollen flexibel genug sein, um langsam Schritt für Schritt Gemeinschaftsaktivitäten umzusetzen, für jeden so eben soviel gerade gewünscht ist.
Mehr als bauliche Fragen sind es oft eigene Ängste, Erwartungen und Muster, unsere Geschichten und Erfahrungen und die daraus resultierenden menschlichen Spannungen und Konflikte, die Gemeinschaftsprojekte scheitern lassen. Den nötigen inneren und äußeren Prozessen wird schon in der Entwicklungsphase viel Raum gegeben. Diese Prozesse werden genauso wie die Bauplanung professionell begleitet und unterstützt.
 
Flexibilität der einzelnen Baugruppen
 
Wie weit der Gemeinschaftsgedanke geht, muss jede Baugruppe für sich entscheiden. Vom Zusammenleben nach dem Vorbild „Großfamilie“ mit gemeinsamer Küche bis hin zu voll ausgestatteten individuellen Wohneinheiten mit kleinem Gemeinschaftsanteil ist alles denkbar.
Aber auch in der Frage wie groß die individuellen Wohneinheiten sind, wieviel der Infrastruktur geteilt wird, wie das Grundstück erschlossen, wieviel Eigenleistung beim Bau einfließt oder wie die Mobilität organisiert wird, gibt es einen großen Gestaltungsspielraum. Jede Baugruppe muss hier den eigenen Weg, die eigene Identität und die gemeinsame Vision finden. Die Ausrichtungen können vielfältig sein: von Mehrgenerationenwohnen mit Jung und Alt bis hin zu Inklusionswohnprojekten, von radikaler Einfachheit und ökologischer Ausrichtung bis hin zu Designerobjekten mit Bedacht auf Aussenwirkung.
 
 
Gemeinsame Werte
 
Bei aller Flexibilität, sind uns gemeinsame Grundwerte wichtig… 
 
…Experimentieren mit einer neuen Kultur: Moderne Gesellschaften zeichnen sich durch Individualisierung, Effizienz- und Konkurrenzdenken aus. Wir wollen eine Kultur suchen und ausprobieren, in der Gemeinschaft und Kooperation, Fülle und das rechte Maß, Achtsamkeit und Respekt im Umgang mit uns, unseren Mitmenschen und mit Mutter Erde im Zentrum stehen. Dazu müssen sich mentale Infrastrukturen grundlegend ändern, soziale Praktiken neu gedacht und gesellschaftliche Vorstellungen und Erwartungen manchmal über Bord geworfen werden. Die Gesellschaft in die wir sozialisiert wurden, ist in dieser Form nicht zukunftsfähig und wir wollen uns immer wieder vor Augen führen: Unsere Welt kann auch anders aussehen. Wenn wir sie anders gestalten! Wohnraum muss nicht für ewig sein, ein Auto muss nicht mir allein gehören; Kinder können auch in der Mitte aufwachsen, die Kleinfamilie ist nicht die einzige Form des sozialen Zusammenlebens; Eigentum, Konsum und materielles Wachstum sind nicht die einzigen Wege zu einem erfüllten und glücklichen Leben; Mehr ist nicht immer besser, usw.
 
…Ein gutes Leben für alle: Die Einsparung von Boden durch verdichtete Bauweise, die Vermeidung von Flächenversiegelung, das Sparen von Ressourcen durch Teilen materieller Ausstattung und die Reduktion auf das Wesentliche helfen uns mit natürlichen Ressourcen achtsam und sparsam umzugehen. Unsere Richtschnur ist ein ökologischen Fußabdruck, der auf alle Menschen weltweit und auf zukünftige Generationen übertragbar ist. Es müssen alle Menschen der Erde so leben können wie wir, jetzt und in Zukunft, ohne dass wir unsere Lebensgrundlagen zerstören. Wir leisten damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit, sondern können so auch für uns und unsere Kinder einen naturnahen, von Konsumverstopfung befreiten Lebensraum schaffen. Wir erlauben uns, uns auf das Wesentliche einzulassen, uns mehr Zeit und Freiräume zu nehmen, und eine neue Resonanz zu erleben, die das ‚Hamsterrad‘ moderner Gesellschaften oft nicht hergibt.
 
Rechtliche Struktur: eine gute Mischung aus gemeinsam und privat
 
Die Balance zwischen Gemeinschaft und eigenen Gestaltungsmöglichkeiten muss gut ausbalanciert werden. Die detaillierte Ausgestaltung wird im Einzelfall variieren, aber einige Eckpunkte können helfen sich das Modell vorzustellen. 
Jede lokale Baugruppe (die sich um ein Grundstück zusammenfindet) gründet als Rechtsträger einen eigenen Verein. Die Mitglieder des Vereins sind gleichzeitig die Mitglieder der Baugruppe. Damit bietet der Verein eine formale Entscheidungsstruktur und eine juristische Person. Das Grundstück von diesem Verein gepachtet. Der Verein übernimmt die Erschließung des Grundstücks (Wege, Strom- und Kanalanschlüsse, Bepflanzung, etc.) und errichtet die Gemeinschaftsgebäude (Gemeinschaftshaus, geteilte Anlagen wie Erdkeller, Gewächshaus oder Gemeinschaftsgarten). Die Kosten für die Erschließung, sowie die kalkulierten Kosten für den Rückbau des Grundstücks inkl. anfallender Finanzierungskosten, muss der Verein über die Pachtdauer durch laufende Einzahlungen der Mitglieder refinanzieren. Die monatlichen Beiträge aller Mitglieder müssen so festgelegt sein, dass der Verein am Ende der Pachtdauer ausgeglichen bilanziert.
Jedem Mitglied des Vereins steht ein Wohnplatz mit Anschlüssen und die Gemeinschaftsinfrastruktur zur Verfügung. Auf dem eigenen Wohnplatz können die Parteien nach ihren Vorstellungen, individuell gestaltete und selbst finanzierte, mobile Wohneinheiten errichten. Die Gesamtkosten umfassen also einerseits monatliche Zahlungen an den Verein für die Erschließung, den Rückbau und die laufenden Betriebskosten. Andererseits muss jedes Mitglied der Baugruppe die einmalige Finanzierung der eigenen Wohneinheit selber tragen. Die Wohneinheit ist damit Privateigentum und individuell gestaltbar, während der Wohnplatz vom Verein gestellt wird. Damit ist größtmögliche Unabhängigkeit gewährleistet, während die Gemeinschaft (in Form des Vereins) ein Mitspracherecht bei neuen MitbewohnerInnen erhält (wenn etwa eine Partei wegzieht, kann sie zwar ihre Wohneinheit verkaufen oder mitnehmen, aber der Wohnplatz kann nur vom Verein neu vergeben werden). 
 
 
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